SK Lehrte  


Nicht verzagen, Hagen schlagen Vol. 2


  Tobias Brockmeyer   Mon, 07 Sep 2020 00:50:18

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An einem Sonntag um 7 Uhr aufstehen...

Für die Jugendbundesliga etwas, was man eigentlich mal ganz gern macht. Und dann waren von den acht Personen, die sich um 8 Uhr treffen sollen (inklusive zwei Fahrer) auch sieben pünktlich vor Ort, während ein Kollege knapp zehn Minuten zu spät auch mal auftauchte.

Professionell wurde während der fast zweistündigen Fahrt dann (zumindest in meinem Auto) fleißig vorbereitet, und zwar mithilfe von Handys, Büchern, Schachspielerverstand und – naja, dann endet die Liste auch langsam mal.

Überpünktlich kamen wir ca. 20 Minuten vor Spielbeginn in Hagen an und mussten alle unsere stylischen SKL-Masken, die fleißig und in toller Qualität von Finja produziert wurden, aufsetzen. Und dann ging es auch schon gegen ziemlich optimal besetzte Hagener los.

Der Anfang lief super: Jonas bekam seine vorbereitete Variante aufs Brett und hatte sowohl eine angenehme Stellung als auch einen soliden Zeitvorsprung, während Nils und ich mit den schwarzen Steinen problemlos ausgleichen konnten. Thore konnte zudem eine unkluge Zugreihenfolge im Londoner System seines Gegners nutzen, um die Oberhand zu gewinnen. Ich möchte keine Fake News verbreiten, aber es könnte sein, dass Jonas in seiner Partie sogar einen eigenen Zug gespielt hat – dieser war dann aber auch gleichzeitig der Gewinnzug. Als ich ihn bat, mir für diesen Artikel die Stellung nach seinem Gewinnzug zu schicken, erhielt ich jedenfalls das folgende Bild.

Selbstverständlich musste ich einsehen, dass ich die Anforderung unpräzise formuliert hatte. Die eigentlich gemeinte Stellung ist jedoch die folgende, in der Weiß bereits die schwarzen Schwächen auf d5 und f5 offenbart hat. Der letzte schwarze Zug ...Sd6? bringt die ohnehin schon sehr bedenkliche schwarze Stellung zum Kollabieren. Es gewinnen sogar mehrere Züge, aber Jonas entschied sich für b4! mit Ablenkung der Dame von d5. Die schwarze Stellung fiel nach der Partiefortsetzung ...Dd8 Sxd5 schnell auseinander.

Mit einem 1:0 im Rücken fing dann die Achterbahnfahrt an. Thore behandelte seine Stellung unglücklich und sein König suchte demnächst vergeblich einen sicheren Ort auf dem Brett. Nils hatte einen Bauern verloren und damit die schöne Stellung, die aus der Eröffnung entstanden war, mit Zinsen verspielt. Dafür war mein Gegner spendabel und schenkte mir nach 12...Db6 in der folgenden Stellung mit 13.Dd2? einen Bauern. Mit Se2 wäre meine Stellung zwar ebenfalls angenehm gewesen, aber aus seiner Sicht wäre noch nichts schlimmes passiert. Später hatte er dann viel Freude daran, eine Stellung mit Minusbauer in Zeitnot zu verteidigen, war dabei aber nicht besonders erfolgreich – 2:1.

Moment mal, wo kommt denn der Hagener Punkt her? In diesem Fall verweise ich an den Anwalt, Pressesprecher, Spamfilter oder was er gerade so eingestellt hat von Philip für weitere Auskunft. Es war jedenfalls nicht schön.

Eine der größten ungelösten Fragen der Menschheit ist aktuell, wie bitte Nils es geschafft hat, seine Partie noch zu gewinnen. Irgendwie hatte Nils nämlich einen Angriff, den es eigentlich gar nicht hätte geben dürfen, aus dem Hut gezaubert. Und beim Verteidigen sind dann scheinbar die Nerven seines Gegners mit ihm durchgegangen und er stellte eine Figur ein. Der Rest war Technik. Ich verspreche, diesmal habe ich wirklich keinen Hagener Punkt unterschlagen, es stand wirklich 3:1.

Nun kommt unser Spitzenspieler FM (=Festungsmeister) Nico ins Spiel. Nach eigentlich ganz guter Stellung gegen die moderne Verteidigung von Balint Balazs war er in ein schlechteres Endspiel geschlittert, konnte aber in die oben abgebildete auf den ersten Blick schrecklich aussehende Stellung flüchten. Wie sich aber bei genauerem Hinsehen herausstellt, handelt es sich bei der Stellung um eine solide Festung für Weiß und Schwarz kann nichts unternehmen, um hier noch auf Gewinn zu spielen. Das wird der gegnerische Mannschaftsführer zwar anders gesehen haben (und vielleicht immer noch anders sehen), aber jeder Gewinnversuch ist hier aussichtslos. In seinen Analysen konnte jedenfalls kein schwarzes Gewinnpotential festgestellt werden.

Beim Stand von 3½:1½ war es dann aus Mannschaftssicht auch nicht mehr tragisch, dass Thores König zum Überleben zwei seiner Bauern in den Tod schicken musste und dafür mit einem verlorenen Endspiel bestraft wurde. Also verließen wir etwas später das alte Hagener Pfarrhaus und machten uns auf den Rückweg, um in zwei Wochen bereit zu sein, gegen Harksheide noch einmal Höchstleistung zu bringen.